Mehr Transparenz in der Zulieferkette wäre ein erster Schritt.
Die Markenfirmen sollten sich nicht mehr damit herausreden können, ihre Lieferkette nicht genau nachvollziehen zu können. Und wir als KonsumentInnen haben schliesslich auch ein Recht darauf, zu erfahren, wo und unter welchen Bedingungen unsere Kleider hergestellt werden. Transparenz liegt also im Interesse aller.
Die Markenfirmen müssen endlich Verantwortung übernehmen für ihr Handeln. Es genügt nicht, von den Lieferanten zu fordern, dass soziale Richtlinien eingehalten werden. Die Markenfirmen müssen auch ihre eigenen Geschäftspraktiken so anpassen, damit die Lieferanten tatsächlich den nötigen finanziellen und zeitlichen Spielraum haben, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Bestellungen der Markenfirmen müssen rechtzeitig geplant und vergeben werden, damit die Kleider ohne Überstunden und Nachtschichten genäht werden können. Auch der Preis, den eine Markenfirma für ihre Lieferung bezahlt, muss so angesetzt sein, dass es dem Zulieferbetrieb möglich ist, existenzsichernde Löhne an die Angestellten auszuzahlen. Schliesslich sind langfristige Beziehungen zu den Lieferanten wichtig, denn nur wenn die Markenfirmen beginnen, in die Entwicklung von Zulieferern zu investieren und nicht mehr jede Saison zum nächstbilligeren Lieferanten wechseln, besteht ein echte Chance, dass sich die Arbeitsbedingungen für die NäherInnen verbessern.
Wichtig ist zudem, dass Gewerkschaften frei über Löhne und Arbeitsbedingungen verhandeln können. Der Abschluss solcher Gesamtarbeitsverträge soll von Markenfirmen aktiv begrüsst und die Rahmenbedingungen für freie Verhandlungen gefördert werden.
Schliesslich soll sich die Lohnhöhe für asiatische Zulieferer am Modell der Asia Floor Wage orientieren. Firmen sollen mit Pilotprojekten und konkreten Meilensteinen auf die Bezahlung eines Existenzlohns hinarbeiten.
Solche Massnahmen dürfen jedoch nicht allein in der Marketingabteilung der Markenfirmen beschlossen werden. Sie müssen in der gesamten Firmenpolitik und in den Abläufen der Einkaufsabteilung verankert werden. Firmen müssen zudem vermehrt zusammen arbeiten und gemeinsam Umsetzungslösungen suchen. Dies können sie z.B. im Rahmen einer sog. Multi-Stakeholder-Initiative tun, welche die verschiedenen Anspruchsgruppen (Firmen, Gewerkschaften, NGOs) an einen Tisch bringt.
Nur so kommen echte Veränderungen zustande. Nur so erhalten die NäherInnen, die unsere Kleider herstellen, endlich eine faire Chance.